06 Sep 2011
Mein Vater war Pflasterer, und ich hätte Pflasterer werden können; es ist ein sauberes Handwerk. Alte ausgetretene, ausgefahrene Wege ein für allemal mit schweren Pflastersteinen festzurammen, dass Mensch und Tier trockenen Fußes darüber hinschreiten können, das ist schon was! Der Menschen Lebenswandel sozusagen verbessern, das ist doch was! Immer in der frischen Luft sein können, mit der Schippe eine Grube in den lockeren Sand schlagen, einen dicken Basaltstein hineinsetzen, und nun mit dem Hammer, der aus der Schippe herauswächst, obendrauf schlagen, dass Stahl und Stein zu klingen anheben: Wie schön ist das! Und wenn gar sieben Pflasterer da nebeneinander im Sand hocken und wenn die Hämmer die sieben Töne in sich bergen, die alle Musik dieser Erde ausmachen, dann hat, was ein rechter Pflasterer ist und ein Mensch voller Lieder, allzeit, was er um sich braucht. Freilich so immer gebückt im Sand hocken, das ist nicht gerade das Schönste für einen, der gern aufrecht geht, und die Sonne brennt manchmal auf den herabgewölbten Rücken, oder der Regen prasselt darauf, wie er Lust hat. Aber dann, wenn ein Sträßlein gepflastert ist, werden die Hammerschippen beiseite geworfen und die einbeinigen Stühle, und es kommen die sieben gebückten Männer aufrecht daher, tragen den schweren Stößer auf der Schulter und stellen ihn sich dann zwischen die dicken Schuhe. Und nun fängt erst recht die Musik an! Alle Pflastersteine werden gerammt; auf jeden Stein fällt der Stößer mit seinem Halbzentnergewicht so lange nieder, bis der Stein festsitzt und bis ein Stein so hoch und so tief in seiner Reihe sitzt wie der andere. Da kann der Erdmesser mit der Wasserwaage kommen und prüfen! Da kann das Tiefbauamt seine schwersten Wagen herschicken, ob das Pflaster nachgibt: Es gibt keinem Druck und keinem Stoß mehr nach, und es hält an die hundert Jahre. Es nimmt lächelnd den Wettbewerb auf mit jeder Errungenschaft unserer Zeit, mit Holz und Zement und erst recht mit dem zusammengebackenen Straßengewalz. Mein Vater hat in Schaffhausen gepflastert, in Dinkelsbühl und in Bamberg. Mein Vater hat sämtliche Bahnhöfe der Schwarzwaldbahn gepflastert. Was er vor nunmehr dreißig Jahren mit eigener Hand gepflastert hat, das hält heute noch!